Der Beginn von Micronux?
Beitrag Nr. 1
Die einen feiern den Sieg von Linux, die anderen den von Windows. Wahrscheinlich gibt es weder einen Grund zu feiern, noch zu trauern. Am 2. November 2006 haben sich die US-Konzerne Novell und Microsoft darauf geeinigt, gemeinsam für eine leichtere Nutzung von Linux-Programmen auf Windows und von Windows-Programmen auf Linux konkret zu arbeiten. Novell vertreibt übrigens die kommerzielle Software “Suse Linux Enterprise” und fördert das Projekt Opensuse. Gibt es bald nur noch “Micronux”, eine Mischung aus Windows und Linux?
Die für den privaten Nutzer wesentliche Vereinbarung liest sich in der Pressemitteilung so: “Die beiden Unternehmen [Novell und Microsoft] werden gemeinsam an Wegen arbeiten, durch die die Benutzer von OpenOffice und Microsoft Office auf die bestmögliche Art Dokumente austauschen können. Beide Unternehmen werden praktische Schritte ergreifen, um Konvertierungssoftware zur Verfügung zu stellen, die die Interoperabilität zwischen den Formaten ‘Open XML’ und ‘OpenDocument’ verbessert.”
Trotzdem ich häufig eine gewisse Häme über den Kniefall Microsofts vor der Linux-Konkurrenz gehört habe, dürfte sich Microsoft als der Schlauere, oder zumindest nicht als der Dümmere, erweisen. Wären die großen Büroanwendungspakte OpenOffice und Microsoft Office langfristig nicht kompatibel gewesen, hätte sich Microsoft auf eine Strategie des “Alles oder Nichts” eingeschworen. Das Ziel hätte dann nur sein können, weiterhin das unangefochtene Monopol bei Texten und Tabellen zu behalten und kleineren Konkurrenten die Luft zum Atmen zu nehmen. Eine solche Kraftprobe hätte Microsoft vermutlich verloren, weil die freien Alternativen sich langsam aber sicher durchsetzen.
So wandelt Microsoft sein Monopol zunehmend in eine eher normale extrem starke Marktposition um, und verschafft sich dabei Zugang zur Linux-Plattform. Linux wird immer stärker für proprietäre oder zumindest kommerzielle Software offen. Microsoft wird sich da langsam aber sicher ebenfalls hineinschleichen. Es wird letztlich zu einer Vermischung von Linux, Freier Software und vielen anderen Softwaretypen kommen. Es ist nunmehr klar, dass es keinen Sinn ergibt, in eine Linux-Euphorie zu verfallen. Vielmehr wäre es wohl gut, jeder prüft die von ihm oder ihr selbst genutzte Software daraufhin, ob sie dazu geeignet ist, gesellschaftlich ein positive Rolle zu spielen und privat möglichst wenig Ärger zu machen.