Start des Formats “Microsoft Office Open XML”
Beitrag Nr. 2
Das Ende der guten alten Welt des Formats “.doc” wurde am 6. November 2006 von Microsoft eingeläutet. Gute drei Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart von Microsoft Office 2007 hat der US-Softwarekonzern ein so genanntes Kompatibilitätspaket zum kostenlosen Herunterladen bereitgestellt: Damit können auch Nutzer von Office XP (offiziell “Office 2002″) und Office 2003 das neue Dokumentenformat lesen und schreiben. Office 2007 wird standardmäßig das neue, auf der Dokumentensprache XML basierende Format “Microsoft Office Open XML” (OOXML) nutzen. Bye, bye “.doc” und hallo “.docx” und “.docm”, wird es ab Dezember 2006 zunehmend heißen. Denn das sind die Endungen des Microsoft-Formats “WordprocessingML”. Im Programm selbst heißen die Formate auch Word-2007-Dokument (.docx) und Word-2007-Dokument mit Makros (.docm).
Microsoft hat die technischen Einzelheiten des neuen Dateiformats dem “Ecma International”, dem europäischen Verband für die Standardisierung von Informations- und Kommunikationssystemen, zur Standardisierung vorgelegt. Diese einflussreiche private Normungsorganisation mit Sitz in Genf wird bei einer Sitzung der Hauptversammlung vom 7. bis 8. Dezember 2006 dieses Dateiformat wohl als quasi-offenen Standard absegnen.
Das Büroanwendungspaket OpenOffice.org aus dem Bereich “Freie Software” wird dann wohl innerhalb relativ kurzer Zeit dieses Format ebenfalls in seinen neuen Versionen anbieten, so dass einem weitestgehend kompatiblen Austausch zwischen den beiden großen Officepakten auf Basis des Microsoft-Formats nichts mehr im Wege steht. Derzeit werden komplex aufgebaute Dokumente mit dem Format .doc von OpenOffice.org relativ fehlerhaft dargestellt, da dieses Format nicht “offen” ist.
Letzte Woche wurde aber auch bekannt, dass Microsoft sich gegenüber Novell, dem Förderer von Opensuse, verpflichtet hat, ein Softwareinstrument zur Verfügung zu stellen, das eine Nutzung des Dateiformats OpenDocument (ODF) in Microsoft Office ermöglicht. Dies ist bereits durch das unter der BSD-Lizenz entwickelte quelloffene Projekt “ODF Add-in for Microsoft Word” geschehen. Dieses Konvertierprogramm wird demnächst fertiggestellt werden und kann auf der Plattform “Sourceforge” heruntergeladen werden.
Der Wettlauf kann beginnen: Welches Dateiformat wird sich bei privaten Nutzern durchsetzen: das von Microsoft dominierte Format OOXML oder das offene und freiere ODF? Viel wird sich hier durch das konsequente Kommunizieren von Formatvorlieben — auch durch jeden einzelnen Nutzer im privaten Austausch — entscheiden.
Hier kann das Kompatibilitätspaket bei Microsoft heruntergeladen werden: (Achtung, es heißt von Microsoft: “Stellen Sie sicher, dass Ihr System auf dem neuesten Stand ist, indem Sie alle Updates mit hoher Priorität von Microsoft Update installieren (für Benutzer von Microsoft Office XP [gemeint ist Office 2002] und 2003 erforderlich).”