Wann überspringt die Freie Software den Graben?
Beitrag Nr. 4
Am vergangenen Samstag habe ich auf einer kleinen Buchmesse in Nürnberg einen Vortrag über Freie Software gehalten. Ich hatte eigentlich mit missionarischem Eifer auf lauter uninformierte Menschen gehofft, die ich von der Notwendigkeit, das Leben auch im Bereich der digitalen Techniken in die eigene Hand zu nehmen, hätte überzeugen können. Keine Chance!
Zum Vortrag waren größtenteils gut informierte Leute gekommen, die Opensuse für “eher kommerzielle Software” und “Debian als einfach zu bedienen und eigentlich relativ demokratisch” hielten. Wahrscheinlich haben sie recht, und ich will gar nicht darüber streiten. Was mir allerdings dabei aufgefallen ist, dass nach wie vor über weite Strecken Linux und Freie Software eine Nische für Freaks oder Unternehmen ist. Für viele Menschen, die digitale Techniken eher privat oder zuhause nutzen, ist Linux und Freie Software etwas, was ab und zu im Fernsehen und Internet in gut gemeinten Nachrichtenbeiträgen an ihnen vorbeirauscht. Eine Information etwa so wichtig, wie ob die Sozialisten oder die Konservativen die niederländische Parlamentswahl gewonnen haben.
Mein Vater, der in wenigen Wochen in Pension geht, hatte diese Woche Probleme mit der Installation eines Druckers unter der Linux-Distribution Opensuse. Nachdem er dies seinen Kollegen eines Landgerichtes erzählt hatte, fragte einer: “Ach, arbeiten Sie noch mit einem dieser alten Systeme?” Der gute Mann dachte offensichtlich Linux oder Opensuse ist so etwas wie Commodore 64 oder Atari aus den achtziger Jahren!