Schwachsinn und Grenzen von DRM

Beitrag Nr. 6

Die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland zum digitalen Rechtekontrollmanagement, kurz DRM, sind von einem gewissen Paradox geprägt: Einerseits ist das technische “Knacken” einer Kopiersperre verboten, andererseits hat der Nutzer eines legal erworbenen Musikstücks oder eines Films nach wie vor das Recht, eine Privatkopie dieses Werks für den eigenen Gebrauch herzustellen. Auf den ersten Blick scheint es unmöglich, dieses Paradox aufzulösen, also legal von einem kopiergesperrten Musikstück eine Privatkopie herzustellen.

Es geht aber doch. Denn nur die direkte technische Umgehung einer Kopiersperre, sie also digital zu “knacken”, ist gesetzlich verboten. Ein abgespieltes Musikstück oder einen Film für sich als Privatkopie aufzuzeichnen, ist erlaubt. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang, dass mein Bruder und ich in den 80er-Jahren als Kinder noch kein Gerät zum Überspielen von Platte auf Kassette besaßen. Also stellten wir den kleinen Kassettenrecorder ins Stereodreieck zwischen die zwei Lautsprecher des Plattenspielers. Mucksmäuschenstill erstellten wir so, damals schon völlig gesetzestreu, eine Privatkopie der Platte für unsere Kassettenrecorder. Ob wir das Urheberrecht des Künstlers dadurch verletzten, dass sein Werk durch ungewolltes Hinzufügen der Geräusche vorbeifahrender Autos verändert wurde, weiß ich nicht…

Ähnlich funktioniert ein Softwareprogramm, dass diese Woche vorgestellt wurde. Die Anwendung Tunebite der Firma RapidSolution Software AG aus Karlsruhe ist eine Kopiersoftware für Audio- und Videodateien. Das Programm spielt mit einem digitalen Rechtemanagement versehene Musikstücke oder Filme ab und zeichnet sie gleichzeitig im Computer wieder neu auf. Das ganze funktioniert also wie im oben beschriebenen Beispiel mit dem Kassettenrecorder und dem Plattenspieler, nur dass die Qualität wesentlich besser sein dürfte… Das hatte ich zu erwähnen vergessen: Wirklich anhören konnte man die damals so erstellten Kassetten nämlich nicht. Sie klangen ziemlich dumpf.

Es wird sicher noch andere Software geben, die auf diese Weise Privatkopien erstellen kann. Es ist also durchaus möglich, mit DRM versehene proprietäre Dateien in freie Formate wie Ogg-Vorbis, MP3 oder WAV ohne Kopiersperre umzuwandeln. Mit einem Preis zwischen 20 und 37 Euro finde ich Tunebite nicht allzu teuer. Gibt es ein solches Programm aus dem Bereich Freie Software? Ich weiß es nicht. Das wäre aber ganz gut.

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