Selbstbestimmung statt Monopol!
Beitrag Nr. 7
In Frankreich herrscht ein insgesamt kritischeres Verhältnis zu den proprietären und monopolartig organisierten Softwareunternehmen. Zumindest ist das in den öffentlichen Meinungsäußerungen der Politiker und der verschiedenen Verbände so. Diese Woche forderte nach einer Meldung auf Heise.de die französische Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir, dass große Computerkonzerne und Elektronikhändler Computer ohne vorinstallierte Software anbieten. Die Lizenzen für vorinstallierte Software machten nämlich zehn bis zwanzig Prozent des Verkaufspreises für einen Rechner aus.
Einerseits haben die Verbraucherschützer den Nagel auf den Kopf getroffen, andererseits frage ich mich, warum diese Forderung so selten aufgestellt wird. Die meisten Menschen denken sicher “Windows ist ja eh bei jedem neuen Computer dabei” — quasi geschenkt. Das ist aber falsch. Der Computerhersteller zahlt für die Lizenz zwischen fast 100 und 200 Euro. Kosten, die er natürlich an den Käufer weitergibt. Neben den entstehenden Kosten wird dadurch ein für die Nutzer recht lästiges Monopol zementiert.
Ein Linux-Betriebssystem mit allen von einem normalen Privatanwender benötigten Programmen lässt sich heute selbst von jemand mit geringen Computerkenntnissen innerhalb von 1-2 Stunden kostenlos auf dem Computer aufspielen. Die Computerkonzerne könnten ja jedem Computer die Installationsmedien für große Linux-Distributionen wie Opensuse oder Ubuntu beilegen — diese sind nämlich im Unterschied zu Windows kostenlos.
Gebremst wird die Entwicklung hin zum Tabula-Rasa-Computer wahrscheinlich durch die mangelnden Kenntnisse der meisten Menschen über Linux. Zumeist herrscht die Meinung, “das ist ja nur was für Computer-Freaks” und “dann kann ich ja meine Microsoft-Word-Texte gar nicht mehr verwenden”. Beides ist falsch. Einige Aufklärung muss sicher noch geleistet werden, bis irrationale Ängste einem selbstbestimmten Umgang mit digitalen Techniken weichen.
Eine Veränderung wird hier wohl am ehesten über die Schulen zu bewirken sein. Schüler, die sämtliche Betriebssysteme, also Windows, Apple, BSD oder Linux, kennen, werden sich wahrscheinlich eher selbstbestimmt beim Erwerb eines Computers entscheiden. Die heutige Landschaft erinnert dagegen eher an den früheren Ostblock. Da gab es vielfach auch nur ein Standardmodell, welches den Menschen vorgesetzt wurde. Friss oder stirb.