Die Wurzel allen Übels

Beitrag Nr. 8

Das Plattenlabel Sony BMG hat sich nach Einigungen in New York und Kalifornien diese Woche auch in den meisten anderen Bundesstaaten der USA vor Gericht über Entschädigungszahlungen im Gefolge der “Rootkit”-Affäre geeinigt. Dabei geht es um die 2005 in Musik-CDs des Unternehmens enthaltenen Kopiersperrprogramme, die sich wie Viren benahmen und Windows-Computer unsicher machten. Die ganze Affäre, die in den USA nun zu Ende geht, ist eine spannende Sache und zeigt, was die Verwertungsindustrie von ihren geliebten Kunden denkt.

Der Sicherheitsexperte Mark Russinovich von der Firma Sysinternals hatte im Oktober 2005 aufgedeckt, dass Sony BMG kopiergesperrten Musik-CDs Software beigefügt hatte, die sich ohne Wissen des Computerbesitzers unter Windows installierte und zu großen Sicherheitsproblemen führen konnte. Die Software funktionierte wie ein “Rootkit”, was ein virenartiges Programm ist. Die Software installierte sich ohne Wissen des Nutzers und war nicht in der Software-Liste der Systemsteuerung zu finden. Sie ließ sich auch nicht deinstallieren. Zudem versteckte sie die zu ihr gehörigen Dateien, Verzeichnisse und Prozesse vor dem Computerbesitzer. Russinovich entdeckte die Software rein zufällig beim Testen einer neuen Version seines Programms für das Aufspüren von Rootkits.

Sony BMG, ein aus der Fusion eines japanischen und deutschen Plattenlabels hervorgegangenes New Yorker Unternehmen, hatte zunächst die Kritiker beschwichtigt und Softwareprogramme zum Entfernen des Rootkits zur Verfügung gestellt. Die Kritik — und die Berichte über erhebliche Sicherheitsrisiken — rissen jedoch nicht ab. Unter anderem kündigte Microsoft an, seine Sicherheitssoftware so zu programmieren, dass die Kopiersperrsoftware entfernt würde. Nicht gerade ein Vertrauensbeweis für Sony BMG. Nach nur rund zwei Wochen gab das Plattenlabel auf, rief noch nicht verkaufte Musikscheiben zurück und bot Käufern der CDs einen Umtausch an.

Der Europa- und Deutschland-Chef des Unternehmens, Maarten Steinkamp, meinte Ende November 2005, Sony BMG habe sich zwar “sehr blamiert”, aber der Ansatz, “die freie Verfügbarkeit unserer Musik auf irgendeine Art und Weise regulieren zu wollen”, sei richtig gewesen. Von Einsehen keine Spur.

Man sieht an dieser ganzen Affäre, welche Vorstellungen im Bereich des “geistigen Eigentums” tätige Unternehmen haben: Um ihr Eigentum zu schützen, sind sie ohne weiteres bereit, das Eigentum der Anderen zu gefährden. Mir erscheint es deshalb auch so wichtig, das ganze System aus proprietären Lizenzen, Kopiersperren und Rechtekontrollmanagement — legal — zu umgehen, weil die Leute, die diese Dinge einsetzen, in ihrer Angst vor “Dieben” keinerlei Grenzen kennen. Dieses System sollte man nicht unterstützen.

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