Scribus 1.3.4 ist da
Beitrag Nr. 31
Früher wurden Zeitungen und Bücher mit Bleilettern gesetzt, das heißt die Seite wurde von einem “Setzer” aus Bleibuchstaben zusammengesetzt. Ein Setzkasten hatte 125 Fächer, war aus Holz, manchmal auch aus Kunststoff oder Metall, und wog als Normalkasten etwa 15 Kilogramm, schreibt Wikipedia. Die Bleilettern wurden irgendwann vom Offsetdruck abgelöst, so dass die Bleisetzer seit den 1950er-Jahren verstärkt zum Fotosatz wechselten. Beim Fotosatz wurde über eine Schablone das zu setzende Zeichen auf einen Film belichtet. Nun, es kam, wie es kommen musste, und heute gibt es fast nur noch den digitalen Satz mit einem Softwareprogramm am Computer.
Die Zeitung, die du liest, ist vermutlich mit dem Programm Quark XPress der Firma Quark, Inc. aus Denver gesetzt worden. Der Werbezettel, den du in der Hand hältst, ist vermutlich mit der Software InDesign der Firma Adobe Systems aus dem kalifornischen San Jose gestaltet worden. Das sind die zwei führenden proprietären Layoutprogramme. Gibt es ein vergleichbares Programm aus der Welt der Freien Software? Ja, das gibt es. Es heißt “Scribus”, und am 30. Mai 2007 ist offiziell die neue Version 1.3.4 mit dem Beinamen “Anton” (nach dem neugeborenen Sohn eines der Entwickler) erschienen.
Das Programm kann für sämtliche Betriebssysteme kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Bei den Versionen für Windows und Macintosh muss für den PDF-Export noch zusätzlich das Programm Ghostscript heruntergeladen und installiert werden. Für Opensuse und Fedora Core stehen eigene RPM-Installationsdateien zur Verfügung. Für (K)Ubuntu gibt es eine Installationsbeschreibung. Probier es einfach aus.
Falls du in größerem Umfang mit Scribus arbeiten willst und die gestalteten Seiten auch drucken willst, solltest du jedoch die Version 1.3.3.9 installieren, die als “stabile, benutzbare Version” beschrieben wird. Die nächste offiziell stabile Version von Scribus wird die Version 1.4 sein, an der bereits gearbeitet wird. Wann sie erscheint, ist noch nicht klar. Ich hoffe, Scribus wird mit 1.4 an Stabilität gewinnen, was ich bis jetzt als das größte Problem sehe. Der Artikel in Wikipedia enthält mehr Informationen und weiterführende Internet-Seiten.
Aus einem von Opensuse betreuten Paketarchiv konnte ich die einfach installierbare RPM-Datei von Scribus 1.3.3.9 herunterladen (die Dateien dort sind alphabetisch sortiert) und mit Yast installieren. Das hat gut und einfach geklappt. Ich habe außerdem noch ein Paket des Typs Deb für (K)Ubuntu auf rpmseek.com gefunden. Dieses Paket habe ich allerdings nicht ausprobiert.
Ich habe mit Scribus schon einige Zeitschriften gestaltet und bin damit gut zurecht gekommen. Ich finde es klasse, dass es ein solches Programm als Freie Software gibt. Auch Leute ohne viel Geld — die proprietären Layoutprogramme kosten meist weit über 1.000 Euro — können so kreativ Drucksachen gestalten. Das Programm benötigt allerdings viel Rechenressourcen. Gerade bei einem etwas älteren Computer kann das Speichern, Öffnen oder ein bestimmter Arbeitsschritt lange dauern. Ein Tipp: Sämtliche nicht benötigten anderen Programme schließen, und eine Datei mit vielen Seiten in mehrere Dateien mit jeweils 20 Seiten aufteilen, falls das praktikabel ist.
Wer noch nie mit einem solchen Programm gearbeitet hat, wird etwas Zeit zum Erlernen brauchen. Wer aber mit Microsoft Word Zeitschriften oder Flugblätter gestaltet hat und mit dem Ergebnis unzufrieden war, für den lohnt sich der Aufwand. Für mich ist Scribus der Beweis, dass Freie Software die bessere Software ist. Kleinere Probleme nehme ich gerne in Kauf, weil ich weiß, dass ich dauerhaft auch mit Leuten zusammenarbeiten kann, die nicht Tausende von Euro für Softwarelizenzen ausgeben können oder wollen.