Offene Formate in Microsoft Word — ein eher verhaltener Start

17. November 2006

Beitrag Nr. 3

Hmmh, in diesen Zeilen scheint es dauernd um Microsoft zu gehen. Eigentlich komisch für eine Journal, das sich mit Freier Software und Freien Inhalten beschäftigen will. Allerdings, der doppelte Start von Microsoft Windows Vista und Word 2007 wirkt sich wohl auf fast alle Computernutzer aus.
Den ganzen Beitrag lesen »

Start des Formats “Microsoft Office Open XML”

10. November 2006

Beitrag Nr. 2

Das Ende der guten alten Welt des Formats “.doc” wurde am 6. November 2006 von Microsoft eingeläutet. Gute drei Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart von Microsoft Office 2007 hat der US-Softwarekonzern ein so genanntes Kompatibilitätspaket zum kostenlosen Herunterladen bereitgestellt: Damit können auch Nutzer von Office XP (offiziell “Office 2002″) und Office 2003 das neue Dokumentenformat lesen und schreiben. Office 2007 wird standardmäßig das neue, auf der Dokumentensprache XML basierende Format “Microsoft Office Open XML” (OOXML) nutzen. Bye, bye “.doc” und hallo “.docx” und “.docm”, wird es ab Dezember 2006 zunehmend heißen. Denn das sind die Endungen des Microsoft-Formats “WordprocessingML”. Im Programm selbst heißen die Formate auch Word-2007-Dokument (.docx) und Word-2007-Dokument mit Makros (.docm).

Microsoft hat die technischen Einzelheiten des neuen Dateiformats dem “Ecma International”, dem europäischen Verband für die Standardisierung von Informations- und Kommunikationssystemen, zur Standardisierung vorgelegt. Diese einflussreiche private Normungsorganisation mit Sitz in Genf wird bei einer Sitzung der Hauptversammlung vom 7. bis 8. Dezember 2006 dieses Dateiformat wohl als quasi-offenen Standard absegnen.

Das Büroanwendungspaket OpenOffice.org aus dem Bereich “Freie Software” wird dann wohl innerhalb relativ kurzer Zeit dieses Format ebenfalls in seinen neuen Versionen anbieten, so dass einem weitestgehend kompatiblen Austausch zwischen den beiden großen Officepakten auf Basis des Microsoft-Formats nichts mehr im Wege steht. Derzeit werden komplex aufgebaute Dokumente mit dem Format .doc von OpenOffice.org relativ fehlerhaft dargestellt, da dieses Format nicht “offen” ist.

Letzte Woche wurde aber auch bekannt, dass Microsoft sich gegenüber Novell, dem Förderer von Opensuse, verpflichtet hat, ein Softwareinstrument zur Verfügung zu stellen, das eine Nutzung des Dateiformats OpenDocument (ODF) in Microsoft Office ermöglicht. Dies ist bereits durch das unter der BSD-Lizenz entwickelte quelloffene Projekt “ODF Add-in for Microsoft Word” geschehen. Dieses Konvertierprogramm wird demnächst fertiggestellt werden und kann auf der Plattform “Sourceforge” heruntergeladen werden.

Der Wettlauf kann beginnen: Welches Dateiformat wird sich bei privaten Nutzern durchsetzen: das von Microsoft dominierte Format OOXML oder das offene und freiere ODF? Viel wird sich hier durch das konsequente Kommunizieren von Formatvorlieben — auch durch jeden einzelnen Nutzer im privaten Austausch — entscheiden.

Hier kann das Kompatibilitätspaket bei Microsoft heruntergeladen werden: (Achtung, es heißt von Microsoft: “Stellen Sie sicher, dass Ihr System auf dem neuesten Stand ist, indem Sie alle Updates mit hoher Priorität von Microsoft Update installieren (für Benutzer von Microsoft Office XP [gemeint ist Office 2002] und 2003 erforderlich).”

Der Beginn von Micronux?

3. November 2006

Beitrag Nr. 1

Die einen feiern den Sieg von Linux, die anderen den von Windows. Wahrscheinlich gibt es weder einen Grund zu feiern, noch zu trauern. Am 2. November 2006 haben sich die US-Konzerne Novell und Microsoft darauf geeinigt, gemeinsam für eine leichtere Nutzung von Linux-Programmen auf Windows und von Windows-Programmen auf Linux konkret zu arbeiten. Novell vertreibt übrigens die kommerzielle Software “Suse Linux Enterprise” und fördert das Projekt Opensuse. Gibt es bald nur noch “Micronux”, eine Mischung aus Windows und Linux?

Die für den privaten Nutzer wesentliche Vereinbarung liest sich in der Pressemitteilung so: “Die beiden Unternehmen [Novell und Microsoft] werden gemeinsam an Wegen arbeiten, durch die die Benutzer von OpenOffice und Microsoft Office auf die bestmögliche Art Dokumente austauschen können. Beide Unternehmen werden praktische Schritte ergreifen, um Konvertierungssoftware zur Verfügung zu stellen, die die Interoperabilität zwischen den Formaten ‘Open XML’ und ‘OpenDocument’ verbessert.”

Trotzdem ich häufig eine gewisse Häme über den Kniefall Microsofts vor der Linux-Konkurrenz gehört habe, dürfte sich Microsoft als der Schlauere, oder zumindest nicht als der Dümmere, erweisen. Wären die großen Büroanwendungspakte OpenOffice und Microsoft Office langfristig nicht kompatibel gewesen, hätte sich Microsoft auf eine Strategie des “Alles oder Nichts” eingeschworen. Das Ziel hätte dann nur sein können, weiterhin das unangefochtene Monopol bei Texten und Tabellen zu behalten und kleineren Konkurrenten die Luft zum Atmen zu nehmen. Eine solche Kraftprobe hätte Microsoft vermutlich verloren, weil die freien Alternativen sich langsam aber sicher durchsetzen.

So wandelt Microsoft sein Monopol zunehmend in eine eher normale extrem starke Marktposition um, und verschafft sich dabei Zugang zur Linux-Plattform. Linux wird immer stärker für proprietäre oder zumindest kommerzielle Software offen. Microsoft wird sich da langsam aber sicher ebenfalls hineinschleichen. Es wird letztlich zu einer Vermischung von Linux, Freier Software und vielen anderen Softwaretypen kommen. Es ist nunmehr klar, dass es keinen Sinn ergibt, in eine Linux-Euphorie zu verfallen. Vielmehr wäre es wohl gut, jeder prüft die von ihm oder ihr selbst genutzte Software daraufhin, ob sie dazu geeignet ist, gesellschaftlich ein positive Rolle zu spielen und privat möglichst wenig Ärger zu machen.

Pressemitteilung von Novell